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Archive for April 2017

Schwerpunktverschiebung

— Von der sachbezogenen auf die personenbezogene Ebene —

Im März 2017 gab der österreichische Bundespräsident Alexander van der Bellen während einer Diskussionsrunde im Haus der Europäischen Union gegenüber Schülern zu bedenken:

„Es ist das Recht der Frau, sich zu kleiden, wie auch immer sie möchte. Im Übrigen nicht nur die muslimische Frau, jede Frau kann ein Kopftuch tragen.“

Nachsatz:
„Und wenn das so weitergeht bei dieser tatsächlich um sich greifenden Islamophobie, wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen. Alle, als Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun.“

Den Nachsatz, den man genau so verstehen kann wie er gesagt wurde, den man aber auch als ironische Äußerung interpretieren kann, führte in den Medien, und dort insbesondere in den Kommentarspalten der Leser, zu teils ausführlichen Debatten und vielen Meinungsäußerungen.

Viele der Leserkommentare ergingen sich darin, Alexander van der Bellen persönlich verbal anzugreifen oder es zu bedauern, dass er zum Bundespräsidenten der Republik Österreich gewählt worden ist.

Damit lenkten die Kommentare vom eigentlichen Thema ab, nämlich der Aussage Van der Bellens sowie von der Bedeutung des islamischen Kopftuchs und seiner Wahrnehmung. Zu kritisieren wäre allenfalls, dass Van der Bellen von „Islamophobie“ spricht, aber deren Ursachen nicht thematisiert.


Es fand vielfach eine Schwerpunktverschiebung in den Debatten und Kommentaren statt — von der sachbezogenen auf die personenbezogene Ebene — eine Unwucht, wie man sie bei ähnlichen Anlässen häufig beobachten kann. Der ursprüngliche Gegenstand der Diskussion oder Debatte gerät dabei in den Hintergrund oder in Vergessenheit.
Diese Schwerpunktverschiebung, die Verlagerung der Debatte auf ein anderes Thema, halten wir für kontraproduktiv.

Ein Kommentar zu einem Beitrag in der FAZ hob sich davon deutlich ab, ging auf die Person des Alexander van der Bellen gar nicht ein, sondern blieb beim Gegenstand der Sache:

Das Gegenteil denken
Gegenvorschlag: Alle Kopftuchträgerinnen — unabhängig von der Religionszugehörigkeit — verzichten aus Solidarität mit dem freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat, der Religionsfreiheit und insbesondere aus Solidarität mit allen Nicht-Kopftuch-Trägerinnen und allen Nicht-Musliminnen künftig auf ihre Kopfbedeckung.

Zu diesem Leserkommentar bleibt zu ergänzen, dass es Religionsfreiheit im Islam nie gegeben hat und auch heutzutage nicht gibt.

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Siehe auch den Beitrag Wertschätzung, Unschuldsvermutung und Gerücht

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Diskussionsgrundlage

In welchem islamisch geprägten Land
kann man sich heutzutage
ein Bild
von jenem friedlichen und toleranten Islam machen,
von dem so oft die Rede ist?

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»Haben Sie […] gemacht?«

Schirmbeck: Fühlen Sie sich als Held, als Verteidiger der westlichen Zivilisation?

Westergaard: Nein, ich habe nur meine Arbeit gemacht. Ich habe eine satirische Zeichnung gemacht. Und sprechen wir von Satire, dann müssen wir ja auch von Provokationen sprechen.

Picasso machte das Gemälde ›Guernica‹ während des Spanischen Bürgerkrieges. Im Jahre 1940 begegnet ihm ein deutscher Luftwaffenoffizier in Südfrankreich, und der hat Picasso gefragt:
»Haben Sie ›Guernica‹ gemacht?«
»Nein«, antwortete Picasso, »das haben Sie gemacht.«

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Zitat aus
Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen
— Warum wir eine selbstbewusste Islamkritik brauchen

von Samuel Schirmbeck
Seite 254

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Haben Sie […] gemacht?

Nein, das hat […] gemacht.


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Werdegang einer Rezension

Buchrezensionen haben üblicherweise den Zweck, sich über den Inhalt eines Buches auszulassen, ihn zu bewerten, zu hinterfragen, zu kritisieren.

Unter den Kundenrezensionen zu dem Buch Die autoritäre Revolte: Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes von Volker Weiß findet sich mit Datum 4. April 2017 die des Rezensenten „Freiheit“.

Sprache und Logik

„Freiheit“ hält das Buch von Volker Weiß für einen Reinfall, wie er in der Überschrift verkündet. Seine Rezension beginnt mit einem polemischen Wortspiel über den Namen des Autors.

Der erste Kommentar zu dieser Rezension von „Freiheit“ zitiert einen Satz dieser Website, in dem das Wort «Lügenpresse» verwendet wird, und verweist in diesem Zusammenhang auf den Gröfaz (Hitler).

In seiner ersten Antwort darauf geht „Freiheit“ zwar auf Hitler ein, betont, dass dieser ein Sozialist gewesen ist — allerdings auch ein Nationalist, was im Verlauf der Diskussion noch eine Rolle spielen wird — und rückt u.a. die amtierende Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Angela Merkel, in die Nähe von Diktatoren und Despoten („Die eigentlichen Autoritären, etwa der Justizminister oder die Kanzlerin, …„), ohne darzulegen, woran sich dies zeigen würde. Darüber hinaus schreibt „Freiheit“ von „Tausenden Kriminellen, die z.B. Gaststätten angreifen, die die [Partei XYZ] bei sich tagen lassen.“ Wer diese „Tausenden Kriminellen“ wann und wo gezählt hat, erschließt sich aus seiner Antwort nicht.
Auf das Wort «Lügenpresse» sowie auf den Hinweis, dass dieses bereits von den Nationalsozialisten — nicht erst während ihrer Terrorherrschaft ab 1933 — in diffamierender Weise benützt wurde, geht Rezensent „Freiheit“ nicht ein, verwendet dieses Wort nicht.

Im Verlauf dieses Meinungsaustauschs zwischen „Freiheit“ und dem Kommentator weist der Rezensent darauf hin, dass Gustav Seibt im Klappentext zu dem Buch von Volker Weiß das Wort „vernichtend“ verwendet, und schließt daraus, „worum es geht: um die Bewahrung linker Diskurshegemonie.“
Tatsächlich schreibt Gustav Seibt

»Endlich eine Darstellung der deutschen Rechten, die sich nicht in billiger Polemik erschöpft, sondern gründlich, gerecht und darum vernichtend ist.«

Noch am selben Tag behauptet „Freiheit“, der Autor Volker Weiß verstehe „das rechte (pessimistische!) Menschenbild nicht.“

Weiß versteht das rechte (pessimistische!) Menschenbild nicht. Die Neue Rechte setzt sich nicht für den Erhalt der klassischen Familie ubd der souveränen Nationalstaaten ein, weil sie andere Menschen haßt, sondern weil diese klassischen Rahmen die einzigen sind, die einigermaßen funktionieren.

Aufschlussreich

Jemand hat — in dieser etwas umständlich formulierten Satzkonstruktion — also dann ein pessimistisches Menschenbild, wenn er sich „für den Erhalt der klassischen Familie und der souveränen Nationalstaaten“ einsetzt, weil „diese klassischen Rahmen die einzigen sind, die einigermaßen funktionieren.“

Gegen den Erhalt der klassischen Familie spricht u.E. nichts. Dies jedoch als Ausdruck eines pessimistischen Menschenbildes hinzustellen, wie es „Freiheit“ in obigem Zitat tut, halten wir für gewagt, ja sogar für in sich widersprüchlich.

Beim souveränen Nationalstaat sind wir anderer Meinung als der Rezensent „Freiheit“, denn nicht von Ungefähr haben sich z.B. auf dem nordamerikanischen Kontinent 50 Staaten, die bis heute teils das Wort „Republik“ in ihren offiziellen, vollständigen Namen führen, zu einem Bund zusammengeschlossen, und in Europa haben sich nach dem — nicht nur für diesen Kontinent desaströsen — Zweiten Weltkrieg mehrere Länder zum gegenseitigen Vorteil dazu entschlossen, ihre staatliche Souveränität teiweise preiszugeben.

Auf die vom Kommentator im Verlauf des Meinungsaustauschs ein paar Tage später gestellt Frage, ob „… das Menschenbild der Neuen Rechten, das pessimistisch ist, …“ sich auch auf die „Neue Rechte“ selbst beziehe und ob Rezensent „Freiheit“ von sich selbst ebenfalls ein pessimistisches Menschenbild, also ein negatives Selbstbild habe, reagiert „Freiheit“ ein wenig unwirsch und fordert dazu auf, das „Psychologisieren“ doch bitte bleiben zu lassen, denn das pessimistische Menschenbild beziehe sich zwar „auf alle Individuen“ der Gattung Mensch, dies habe mit einem negativen Selbstbild jedoch nichts zu tun.

Das war nun — nach dem Plädoyer für den Erhalt der klassischen Familie als Ausdruck eines pessimistischen Menschenbildes — die zweite innere Widersprüchlichkeit von „Freiheit“ in diesem Meinungsaustausch.

„Freiheit“ verweist noch darauf, dass „Rechte“ in der Regel Thomas Hobbes gelesen hätten, und dass sie deshalb z.B. dazu stehen, dass sie „auf die Klingelschilder gucken, wenn sie sich eine neue Wohnung suchen.“

Aha!
Hat Thomas Hobbes das empfohlen? Oder kommt in einem solchen Verhalten eine gehörige Portion an Vor-Urteilen anderen Menschen gegenüber zum Ausdruck?
Gibt es eigene Erfahrungen oder Erlebnisse, die zu diesem Verhalten führen und es rechtfertigen können, oder reicht es, Thomas Hobbes gelesen zu haben? Das schiene uns denn doch eine arge Einengung des Urteilsvermögens aufgrund ideologischer Fixierung, wie man sie sonst eher bei Menschen findet, die ein bestimmtes „heiliges Buch“ gelesen haben und darauf ihr Weltbild und Menschenbild stützen.

Auf die bislang abschließende Frage des Kommentators, was denn das „Psychologisieren“ (beim Rezensenten „Freiheit“) auslöst,

Unsicherheit, oder gar Hilflosigkeit im Umgang mit Verdrängtem, das „man“ sich nicht eingestehen möchte, weil dann das Selbstbild angekratzt oder sogar schwer beschädigt wird

steht eine Antwort von „Freiheit“ noch aus.

Nach den Erklärungsversuchen des Rezensenten „Freiheit“ bliebe zu klären, worauf sich die Überschrift — Reinfall — seiner Rezension bezieht.

Weltbürgerlichkeit

Empfehlen möchten wir „Freiheit“ einen Blick auf die Weltbürgerlichkeit der Goethezeit, auf «[…] Goethes Idee einer Ländergrenzen transzendierenden Weltliteratur, das Bildungsideal, das zur Gründung der deutschen Universitäten führte, einen aufgeklärten Kosmopolitismus» […]

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Vollständiger Screenshot des Meinungsaustauschs

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Volker Weiß
Die autoritäre Revolte:
Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes

Verlag Klett-Cotta
ISBN 978-3-608-94907-0

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Perönliches Kennenlernen

Besser kennenlernen

Der israelisch-arabische Psychologe Ahmad Mansour stellt in einem geliederten Beitrag auf Tagesspiegel Causa mehrere kurze Texte zum Antisemitismus unter Muslimen zu Diskussion.

Am Ende jedes Textabschnitts wird eine kurze kurze These aufgestellt, der man zustimmen oder die man ablehnen kann.

  • Der muslimische Antisemitismus wird verharmlosend diskutiert.
  • Der arabische Antisemitismus ist frecher, dreister und emotionaler, als der deutsche.
  • Es braucht ein Gegennarrativ zu den antisemitischen Verschwörungstheorien.
  • Der Nahostkonflikt spielt eine Hauptrolle beim antizionistischen Antisemitismus.
  • Ohne eine differenzierte und moderne Korandeutung bleibt die Gefahr, dass der Koran Antisemitismus legitimiert.
  • Die Kritik an muslimischen Antisemiten macht sie heute schnell zu Opfern.

Zusätzlich bietet Mansours Beitrag eine Kommentarfunktion für Leser (Kommentare werden vermutlich ohne redaktionelle Prüfung oder Freischaltung sofort veröffentlicht).

Wir greifen einen Kommentar heraus, dem wir die Überschrift unseres Beitrags entlehnt haben:

Meine erste Frage an „Antisemiten“ bzw. antijüdisch eingestellte Menschen:
Wieviele Juden kennst Du persönlich ?

Der „Antisemitismus“ ist ein Antijudaismus, da z.B. Araber ebenfalls Semiten sind.

Menschen wegen ihrer Herkunft oder Weltanschauung unter Generalverdacht zu stellen oder sie für etwas verantwortlich zu machen, das sie nicht getan haben, ist mehr als nur ein Vor-Urteil. Es nimmt diese Menschen in Sippenhaftung — egal ob Juden, Muslime, Christen oder sonst wen.

Um den Antijudaismus mancher Muslime zu verstehen, empfiehlt es sich u.a., einen Blick in die chronologisch sehr späten, die endgültigen Suren des Korans aus medinesischer Zeit zu werfen, — insbesondere in die (vorletzte oder letzte) Sure 5, „Der Tisch“, die sich gegen Ende stellenweise liest wie das Buch vom Gröfaz (Hitler).
Diese Sure wie auch der gesamte Koran wurde jedoch nicht von heute lebenden Muslimen verfasst, weshalb man sie dafür nicht verantwortlich machen oder zur Rechenschaft ziehen kann — denn das wäre seinerseits ebenfalls Sippenhaftung.
Man kann aber erläutern, dass laut Koran der islamische Gott Allah angeblich alle Menschen, also auch Juden, erschaffen hat … — und dass jeder glauben darf, was er will, deshalb aber längst nicht alles tun darf, was er will, tun was anderen schadet, und auch nicht gegen andere Menschen, die etwas anderes glauben, hetzen darf.

Wir möchten diesem Leserkommentar nichts hinzufügen, sondern seine Aussagen und seinen Stil als Anregung verstehen, wie eine sachbezogene Diskussion / Debatte ablaufen kann, ohne sich auf ein pauschlisierendes, diffamierendes oder herabsetzendes Niveau zu begeben.

Screenshot

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Konfliktbewältigung

Ein (nicht ganz) ernstgemeinter Vorschlag

three-religions

Anfang März 2017 konnten wir verschiedentlich — z.B. hier, hier und hier — lesen (teils sinngemäße Wiedergabe)

In einer zunehmend multireligiösen Gesellschaft sei es angebracht, „dass die abrahamitischen Theologien zeigen, dass sie eine gemeinsame Hermeneutik haben“ …

Das erscheint uns ein vernünftiger Ansatz zu sein, Konflikte zwischen den Religionen, natürlich auch zwischen den monotheistischen Religionen, zu vermeiden oder bestehende Konflikte zu bewältigen.

Denn wenn es stimmen sollte, dass die Angehörigen der drei monotheistischen Religionen an denselben oder zumindest an den gleichen Gott glauben und dass es sich bei allen dreien um abrahamitische Religionen handelt, dann wäre eine gemeinsame Hermeneutik, eine vereinheitlichte „Interpretation von Texten und des Verstehens“ überaus sinnvoll, statt sich gegenseitig z.B. als Ungläubige zu diffamieren und zu beschimpfen oder sich gegenseitig zu bekriegen oder auch nur den Tod zu wünschen.

Schließlich wird insbesondere den monotheistischen Religionen nachgesagt, dass sie friedlich sind und dass Toleranz, Nächstenliebe und gegenseitiges Verständnis darin hohe Gebote sind.

Wir schlagen daher vor, dass die Angehörigen der drei monotheistischen Religionen zusätzlich zu ihrer bisherigen, eigenen Religion auch den jeweils anderen beiden Religionen beitreten, dass also

  • Juden zusätzlich dem Christentum (evangelisch und katholisch) und dem Islam (sunnitisch und schiitisch) beitreten;
  • Christen zusätzlich dem Judentum — aus dem ihre Religion ohnehin hervorgegangen ist — und dem Islam (sunnitisch und schiitisch) beitreten;
  • Muslime zusätzlich dem Judentum und dem Christentum (evangelisch und katholisch) beitreten.

Es ist schließlich auch jederzeit möglich, dass jemand Mitglied in z.B. einer philosophischen Vereinigung, einem Taubenzüchterverein und einem Schützenverein ist — und zur Bewahrung des Humors vielleicht auch noch in einem frohsinnigen Karnevalsverein.

So ließen sich die Glaubens-, Interpretations- und Machtrangeleien zumindest zwischen diesen drei Religionen, aber auch manche politischen Konflikte auf wundersame Weise vermeiden und bestehende Konflikte nach vielen Jahrhunderten oder gar nach Jahrtausenden endlich lösen.

Der diesen Religionen eigene absolute Wahrheitsanspruch wäre endlich vereint, und die Oberen könnten ihre Überzeugungskraft — so gestärkt — noch glaubwürdiger einsetzen.

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